Das Wichtigste in Kürze
- Hook-up Culture heißt: Sex ohne Bindung, ohne Verantwortung, ohne Bedeutung – verkauft als Freiheit.
- Die Risiken sind ungleich verteilt. Frauen tragen körperlich und emotional deutlich mehr, bei geringerem Gewinn.
- Nur rund 8 % der Frauen in einer „Freundschaft Plus“ sind mit dieser Situation zufrieden – so die von Louise Perry zitierten Studien.
- Louise Perry liest die sexuelle Revolution als Triumph des Playboys, nicht als Befreiung der Frau.
- Ihr Gegenvorschlag: Sex wieder Bedeutung geben – durch Bindung, echte Sexualaufklärung und Vertrauen ins eigene Bauchgefühl.
Was ist Hook-up Culture – und warum ist sie ein Problem?
Hook-up Culture bezeichnet eine Beziehungskultur, in der Sex von Bindung, Verantwortung und Bedeutung entkoppelt wird – organisiert über Dating-Apps, normalisiert als „Freundschaft Plus“ oder One-Night-Stand. Verkauft wird das als sexuelle Befreiung. Die britische Autorin Louise Perry zeigt: Die Rechnung dafür bezahlen überwiegend Frauen.
Dem Sex unter dem Deckmantel des Feminismus jegliche Bedeutung zu nehmen ist zu einem festen Bestandteil der modernen Gesellschaft geworden. Zwanglose sexuelle Beziehungen sind heute verbreiteter als je zuvor. Mit dem Aufkommen von Dating-Apps und der Normalisierung von Gelegenheitsbekanntschaften ist es unerlässlich, sich mit den psychologischen, emotionalen und gesellschaftlichen Folgen dieser Kultur auseinanderzusetzen.
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In ihrem Buch Louise Perry – The Case Against the Sexual Revolution (Werbelink) (2022) stößt die Autorin eine nicht mainstreamtaugliche feministische Diskussion an und gibt wertvolle Einblicke in die schädlichen Auswirkungen der Kultur der Unverbindlichkeit. Sie beleuchtet fundiert und sehr gut recherchiert die psychologischen, emotionalen und gesellschaftlichen Folgen der sexuellen Revolution. Einige Details daraus teile ich im Folgenden mit euch.
Der Aufstieg der Hook-up Culture
Um den aktuellen Stand dieser gesellschaftlichen Bewegung zu verstehen, ist es wichtig, ihre historischen Ursprünge zu untersuchen. Zwanglose sexuelle Beziehungen gab es schon immer, aber die Intensivierung dieses Verhaltens kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, z. B. auf veränderte gesellschaftliche Einstellungen, technologische Fortschritte und die Aufweichung traditioneller Normen.
Wie sich das im Alltag anfühlt, habe ich hier beschrieben: Die dunkle Seite der Hook-up Culture.
Psychologische und emotionale Folgen
Es wird Zeit, mal WIRKLICH hinzuschauen, was wir – Männer und Frauen gleichermaßen – da tun. Es gibt keinen Sex ohne Konsequenzen.
Die Geschichte der sexuellen Revolution ist nicht NUR die Geschichte der Frauen, die von der Last der Keuschheit und Mutterschaft befreit wurden, obwohl sie das AUCH ist.
Sie ist vor allem die Geschichte vom Triumph des Playboys – des männlichen Aufreißer-Typs, der trotz seiner zentralen Rolle allzu oft vergessen und dem gerne verziehen wird.
Die Feministinnen der zweiten Generation argumentierten zu Recht, dass Frauen Verhütungsmittel und die Legalisierung der Abtreibung brauchten, um die Kontrolle zurückzuerlangen (ja, richtig, ZURÜCK), und die Einführung dieser Möglichkeiten war eine gute und notwendige Innovation, da sie so viele Frauen von den Folgen des ungewollten Kinderkriegens befreit hat.
Denn für die, die das nicht mehr wissen: Die Realität einer Abtreibung im Hinterzimmer war oft mit dem eigenen Tod oder schwerer Verwundung verbunden.
Aber vor allem wollten Männer diese Möglichkeiten und brauchten sie, um das Ziel der Befreiung ihrer eigenen Libido zu erreichen und gleichzeitig so zu tun, als würden sie die Frauen befreien.
Einer der besorgniserregendsten Aspekte der sexuellen Revolution sind demzufolge die Auswirkungen auf das psychologische und emotionale Wohlbefinden. Die von Louise Perry in „The Case Against the Sexual Revolution“ zitierten Forschungsarbeiten zeigen: Unverbindliche sexuelle Kontakte können sich negativ auf Selbstwertgefühl und Körperbild auswirken und Gefühle der Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit auslösen.
Darüber hinaus kann die emotionale Distanz, die häufig mit zwanglosen Begegnungen einhergeht, zu einer Angst vor Intimität führen, die es erschwert, sinnvolle und dauerhafte Beziehungen einzugehen. Auch wird die Hook-up Culture mit einer erhöhten Rate an Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen in Verbindung gebracht.
Eine Schutzstrategie, die Frauen dabei oft unbewusst nutzen, beschreibe ich hier: Frauen, Sex und Dissoziation.
Gesellschaftliche Folgen der Hook-up Culture
Sex hat immer eine Bedeutung. Von jemandem zum Sex genötigt zu werden ist nicht das Gleiche, wie dem Chef gegen die eigene begeisterte Zustimmung einen Kaffee organisieren zu müssen. Also wieso tun wir als Gesellschaft so, als wäre das dasselbe? Und nennen es dann sexuelle Befreiung, die nur Zustimmung und Aufklärung braucht?
Abgesehen von den individuellen Auswirkungen wirkt sich der unverbindliche Umgang mit Sex auch auf die Gesellschaft als Ganzes aus. Er verstärkt schädliche Geschlechterstereotypen und hält die Vorstellung aufrecht, dass Männer sexuell aggressiv sein sollten, während von Frauen erwartet wird, dass sie passiv sind.
Auch zwischenmenschliche Beziehungen werden beeinträchtigt, da die Konzentration auf kurzfristige Befriedigung die Entwicklung tiefer emotionaler Beziehungen behindert. Außerdem hat die Abschleppkultur unbestreitbare Auswirkungen auf die langfristige Bindungsfähigkeit – Stichwort Dopamin-Stoffwechsel. Das macht es schwerer, eine dauerhafte und erfüllende Partnerschaft zu führen.
Jeder soziale Wandel bringt Nachteile mit sich, die durch eine vereinfachende Darstellung, die keinen Raum für Komplexität lässt, verschleiert werden. Warum das ausgerechnet im Namen des Feminismus passiert, habe ich hier aufgeschrieben: Feminismus und Sexualität – wir werden verarscht.
Männer und Frauen sind nicht gleich
Jeder, der sagt und denkt, dass Gleichberechtigung bedeutet, die offensichtlich existierenden körperlichen und emotionalen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu ignorieren, begeht Selbstbetrug. Wir sind nicht gleich. Und genau das ist eigentlich unsere Stärke! Wieso verurteilen wir dann Goldfische dafür, dass sie nicht auf den Baum klettern können, und reden ihnen ein, dass sie es können sollten? (Ich beziehe mich hier auf eine Karikatur von Hans Traxler aus 1976 zum Thema Chancenungleichheit. Du kennst sie bestimmt.)
Die traurige Wahrheit ist, dass rund 10 % der Männer ein Risiko darstellen – so die von Louise Perry zitierte Forschung. Und diese Männer sind nicht immer auf den ersten Blick oder sogar nach längerer Bekanntschaft zu erkennen. Es gibt einen Grund, warum wir jungen Frauen beibringen, sich nicht in eine Situation zu begeben, in der sie allein mit einem Mann sind, den sie nicht kennen, oder mit einem Mann, der ihnen ein ungutes Bauchgefühl gibt.
Er ist mit ziemlicher Sicherheit stärker und schneller als du. Das bedeutet: Das Einzige, was zwischen dir und einer Vergewaltigung steht, ist die Selbstbeherrschung dieses Mannes.
Sex ohne Liebe ist weder stärkend noch befreiend
Ungezwungener heterosexueller Sex birgt für Frauen naturgemäß viel größere Risiken – bei viel geringeren Belohnungen.
Nur 8 % der Frauen, die angaben, derzeit in einer „Freundschaft Plus“ zu sein, waren mit ihrer Situation zufrieden. Diese Zahl stammt aus den Studien, die Louise Perry in „The Case Against the Sexual Revolution“ zusammenträgt. Andere Untersuchungen kommen durchweg zum selben Ergebnis: Nach einem One-Night-Stand bereuen Frauen häufiger als Männer, dass sie sich darauf eingelassen haben. Sie haben ein geringeres Selbstwertgefühl, leiden deutlich häufiger unter psychischen Problemen – und kommen in den meisten Fällen nicht einmal zum Orgasmus.
Männer sind im Allgemeinen besser für emotionslosen Sex ausgestattet, und es fällt ihnen leichter, ihre Sexualpartner als Wegwerfartikel zu betrachten. Wer das nicht weiß, verkennt allzu leicht, dass begehrt zu werden keineswegs dasselbe ist wie Wertschätzung zu erfahren.
Wenn du eine Frau bist, die in der Vergangenheit unverbindliche sexuelle Begegnungen mit Männern hatte, beantworte diese vier Fragen so ehrlich wie möglich:
- Hast du deine Jungfräulichkeit als eine peinliche Last empfunden, die du loswerden wolltest?
- Fühlst du dich manchmal angewidert, wenn du an einvernehmliche sexuelle Erfahrungen denkst, die du in der Vergangenheit gemacht hast?
- Hast du jemals eine emotionale Bindung zu einem Friend with Benefits aufgebaut und diese Bindung vor ihm verheimlicht?
- Hast du schon einmal etwas getan, das du als schmerzhaft oder unangenehm empfunden hast, und hast du deinem Partner dieses Unbehagen während oder nach dem Sex verheimlicht?
Wenn du nur eine dieser vier Fragen mit Ja beantwortest, ist es Zeit, einen Blick auf dein Selbstbild als Frau zu werfen.
Umgang mit den Folgen der Hook-up Culture
Die Autorin Louise Perry – The Case Against the Sexual Revolution (Werbelink) schlägt in ihrem Buch mehrere Wege vor, um die schädlichen Auswirkungen der Hook-up Culture zu bekämpfen und gesündere Beziehungen zu fördern.
Eine umfassende Sexualerziehung vermittelt das Wissen, das Menschen brauchen, um fundierte Entscheidungen über ihren Körper und ihre Beziehungen zu treffen. Ganz besonders auch, um Grenzen zu spüren und zu verteidigen.
Die Förderung monogamer Beziehungsmodelle unterstreicht die Bedeutung von emotionaler Bindung und gegenseitigem Respekt.
Es wird Zeit, sexuellen Begegnungen wieder Bedeutung zurückzugeben. Louise Perry ist überzeugt, dass genau diese Gegenbewegung bei den Frauen der Gen Z gerade stattfindet.
Die Dinge können sich sehr schnell ändern, wenn Menschen erkennen, dass es andere gibt, denen es insgeheim genauso geht wie ihnen. Da ist Licht in der Dunkelheit. Vielleicht nicht viel, aber genug, um gegen die Dunkelheit zu gewinnen.
Fazit - Hör auf deine Mutter!
Louise Perrys Buch beleuchtet die psychologischen, emotionalen und gesellschaftlichen Folgen der sexuellen Revolution. Zusammenfassend schreibt sie die folgenden Sätze – im Grunde das, was jede Mutter ihrer Tochter mitgeben würde:
- Misstraue jeder Person und jeder Ideologie, die dich unter Druck setzt, deine moralische Intuition zu ignorieren.
- Ritterlichkeit ist eigentlich eine gute Sache. Wir alle müssen unser sexuelles Verlangen kontrollieren, Männer ganz besonders, da sie körperlich stärker sind und einen durchschnittlich höheren Sexualtrieb haben.
- Manchmal – aber nicht immer – kann man aggressive Männer leicht erkennen. Es gibt eine Handvoll Persönlichkeitsmerkmale, die ihnen gemeinsam sind: Impulsivität, Promiskuität, übertriebene Maskulinität und Uneinsichtigkeit. Diese Eigenschaften in Kombination sollten dich auf der Hut sein lassen.
- Einem Mann, der durch Gewalt erregt wird, solltest du aus dem Weg gehen – unabhängig davon, ob er das Vokabular des BDSM benutzt, um sein Verhalten zu entschuldigen, oder nicht.
- Einverständnis-Workshops sind meist nutzlos. Wirksamer ist es, die Gelegenheiten für potenzielle Täter zu reduzieren.
- Am häufigsten betroffen sind junge Frauen zwischen 13 und 25 Jahren. Alle Mädchen und Frauen, vor allem aber die in dieser Altersgruppe, sollten es vermeiden, mit Männern allein zu sein, die sie nicht kennen oder die ihnen unheimlich sind.
- Ignoriere dein Bauchgefühl nicht. Es wird normalerweise durch eine rote Flagge ausgelöst, die es wert ist, beachtet zu werden.
- Betrinke dich lieber privat und mit Freundinnen als in der Öffentlichkeit oder in gemischter Gesellschaft.
- Benutze keine Dating-Apps. Gemeinsame Freunde können für den anderen bürgen und schlechtes Verhalten bestrafen. Dating-Apps können das nicht.
- Ein paar Monate keinen Sex mit einem neuen Freund zu haben, ist ein guter Weg, um herauszufinden, ob er es ernst mit dir meint oder nur auf der Suche nach einer Affäre ist.
- Habe nur dann Sex mit einem Mann, wenn du glaubst, dass er ein guter Vater für deine Kinder wäre – und nicht, um kurzfristige Bedürfnisse zu erfüllen.
Wie der Feminismus an diesen Punkt geraten ist, ordne ich hier ein: Das Problem mit der sexuellen Revolution – warum sich der Feminismus geirrt hat.
Wie es weitergeht
Louise Perry beschreibt, was schiefgelaufen ist. Was daraus für dein eigenes Leben folgt, ist die längere Arbeit. Wenn dein Bauch dabei ein Ja spürt: In „Die Befreiung der Kaiserin“ machen Frauen sie gemeinsam.
Häufige Fragen zu Hook-up Culture und Freundschaft Plus
Was bedeutet Hook-up Culture?
Hook-up Culture beschreibt eine Beziehungskultur, in der sexuelle Kontakte bewusst von Bindung, Verantwortung und emotionaler Bedeutung getrennt werden. Typische Formen sind One-Night-Stands, Casual Dating und „Freundschaft Plus“, meist organisiert über Dating-Apps.
Warum bereuen Frauen One-Night-Stands häufiger als Männer?
Die von Louise Perry zusammengetragenen Studien zeigen ein wiederkehrendes Muster: Frauen tragen die größeren körperlichen und emotionalen Risiken, erleben seltener Lust und häufiger Reue, sinkendes Selbstwertgefühl und psychische Belastung. Der Nutzen ist ungleich verteilt, das Risiko ebenfalls.
Funktioniert Freundschaft Plus für Frauen?
Nach den Zahlen, die Perry zitiert, waren nur rund 8 % der Frauen in einer „Freundschaft Plus“ mit ihrer Situation zufrieden. Das Modell verlangt von Frauen, Gefühle zu unterdrücken, und erlaubt Männern, Verantwortung abzugeben. Mit Freiheit hat das wenig zu tun.
Was kritisiert Louise Perry an der sexuellen Revolution?
Perry bestreitet nicht, dass Verhütung und Abtreibungsrecht notwendige Errungenschaften waren. Sie kritisiert, dass die sexuelle Revolution vor allem die männliche Libido befreit hat und diesen Triumph des Playboys als Frauenbefreiung verkauft.
Ist Sex ohne Liebe befreiend?
Für Frauen in der Regel nicht. Begehrt zu werden ist nicht dasselbe wie wertgeschätzt zu werden. Sex hat immer eine Bedeutung – die Frage ist nur, ob wir sie anerkennen oder verdrängen.
Was hilft gegen die Hook-up Culture?
Perry empfiehlt: ehrliche Sexualaufklärung, die Grenzen spüren lehrt, die Aufwertung von Bindung und Monogamie, Verzicht auf Dating-Apps, ein paar Monate Zeit vor dem ersten Sex – und die Entscheidung, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.
Hinweis: Wenn dieser Text eigene Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt berührt, musst du das nicht allein tragen. In Deutschland ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 116 016 erreichbar. In Österreich die Frauenhelpline unter 0800 222 555, in der Schweiz die Opferhilfe unter 0848 00 40 40.



